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  • Sommernachtstraum von 4 Engeln und SIR

    Berlin, 19. Juli 2018

    Ein donnernder Applaus schallte den Musikerinnen auf der Bühne entgegen. Die Berliner Sängerin SIR und ihre vierköpfige Damencombo beendeten ein tolles Konzert in der Pankower Musikkneipe Zimmer 16. Da gab es noch eine Zugabe. Bei „Reformhaus“ sang das begeisterte Publikum als Chor enthusiastisch beim Refrain mit. Das Lied ist im Zeichen von modernen und hippen Bioläden eine Hommage auf das gute, alte Reformhaus.

    Es war wieder ein toller Sommertag und ein wunderschöner Abend. Allerdings nur im Freien, denn im Zimmer 16 war es sehr warm. Das machte den Gästen aber nix aus, die waren gut drauf. SIR und ihre vier Musik-Engel sorgten mit ihrer Mischung aus deutschen Rock, Pop, Chanson und englischen Songs für einen total gelungenen Konzertabend. Die Mischung macht’s. Wobei diese Lieder nicht wirklich total einem Genre zuzuordnen sind. Die eigenen Lieder von SIR sind eine Mischung von allem und im Chanson-Stil exzellent gesungen.

    SIR Saskia konnte eine brillante Band vorweisen. Da wäre zuerst Elisabeth King, die virtuos das Piano spielte. Heike Becker sorgte am Bass für den groovigen Ton und Melli Plauth auf der Gitarre für guten Rhythmus. Ein Schlagzeug wird nicht gebraucht, wenn Ilka Posin das Cajon schlägt. Die Percussionistin lässt so manchen Schlagzeuger mit ihrer Virtuosität auf dem Holzwürfelinstrument blass aussehen. Zudem kann die aparte Dame auch noch wunderbar singen. Vier Engel für SIR – eine wundervolle Kapelle für eine außergewöhnliche SIR-Stimme.

    "SIR" bezeichnet ja eigentlich einen Mann – hier mal nicht. SIR ist die Berliner Sängerin und Schauspielerin Saskia Inken Rutner und tritt mit wechselnden Formationen auf. Die meisten ihrer selbst geschriebenen Lieder sind auch auf ihrem Album „… statt Hollywood schaukeln“ (Timezone Records) zu hören.

    An diesen Abend gab es auch eine Premiere: Zum ersten Mal konnten die Fans „Ampelmännchen“ hören. Es geht dabei um eine junge Frau, die in Berlin ständig von Leuten nach Wegen, Straßen oder mehr gefragt wird. Was sie zusehends nervt. Doch dann wird sie von einer Begegnung mit einem fremden Mann überrascht und bereut, dass sie diesmal nicht innegehalten hat. Der flüchtige Moment lässt sich nicht wiederholen. Da ließ Saskia beim Texten ihre eigenen Erfahrungen einfließen. Die Menschen im Saal konnten auch eine Hymne auf SIR Saskia mit „Call me Sir“ hören. Doch diese Hommage stammt nicht von der Berlinerin selbst, sondern ist ein aktueller Hit der Rockband Train. Performed von den fünf Musikerinnen klang es so, als hätten Train diesen Song für SIR persönlich geschrieben. Mit „Am Fenster bei Nacht“ trug die schöne Berlinerin noch eine sehr langsame und gefühlvolle Ballade vor. Hier hatte sie den Text verfasst und Karl Neukauf die Melodie beigesteuert.

    Weitere Titel des Abends waren „Abgewrackt“. Ein Lied über eine durchzechte Nacht von einer Frau und einem Mann und deren Folgen. Das Lied könnte nach einer langen Nacht in Pankow, Mitte oder Neukölln entstanden sein. SIR liebt ihre Heimatstadt Berlin, doch manchmal geht sie ihr auch auf den Geist, und sie verschwindet nach „Brandenburg“. Davon berichtet sie humorvoll im gleichnamigen Lied.

    Sehr interessant waren auch ihre ganz besonderen Coverversionen. Sie schrieb einen Text im Berliner Dialekt zu dem Welthit „Something stupid“ von Frank Sinatra und Tochter Nancy. Bei SIR heißt es janz berlinerisch „Sowat blödet“ – herrlich anzuhören. Das Lied wurde auch von Robbie Williams und Nicole Kidmann wieder ein Welterfolg. Oder in Deutsch von Harald Juhnke und Peggy March. Die „Michelle“ von den Beatles textete sie zu „Marcel“ um. Es geht hier um eine Frau, die ihren Marcel etwas stalkt. Wie bei SIR üblich, wurde der Text mit viel Ironie gespickt. Eine große Portion davon steckt auch in dem Lied „Ohne mich“, das von einer Frau handelt, die ein übertriebenes Selbstbewusstsein hat. Hildegard Knef sang diesen Chanson mit dem Titel „Ohne Dich“. Auch die Rolling Stones wurden persifliert gecovert. Aus „Some girls“ wurde „Manche Typen“. Hier wurde das Geschlecht ausgetauscht und eine herbe Abrechnung mit der Männerwelt getextet. Wer aber genau hinhört, der bekommt mit, dass der Text überzogen ist und sicher nicht so gemeint ist. Saskia klingt in und mit ihren Liedern manchmal wie Hildegard Knef, Marlene Dietrich oder auch Claire Waldoff. Sie ist eine Frau mit einer tollen, wandelbaren Stimme.

    Die Musikerinnen spielen – teilweise gemeinsam – auch in anderen Formationen, etwa bei der LadyrockbandThe Shevettes, Butterfly on a wheel oder Polydeluxe. Ilka Posin tritt zudem auch als Solistin auf.

    Bericht: H. P. Sperber von Sperbys Musikplantage

    Fotograf: AJ Hale

    Mehr Infos zu SIR gibt es im Web unter www.sound-of-sir.com und www.facebook/soundofsir